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01.08.2010
Chronik NzM bis1990 © Carlo Bosold (alias „der Captain“)
Narrenzunft Mittelkalbach 1990e.V.
Eine Erfolgstory, vom Notnagel zum Aushängeschild Mittelkalbachs.
Wir schreiben das Jahr 1990, in Mittelkalbach hat die letzte Stunde der so genannten Vereinsgemeinschaft in Sachen Foaset geschlagen. Gemeint ist hiermit die
„Vernunftehe“ zwischen dem Sportverein SV Mittelkalbach und dem Gesangverein Concordia Mittelkalbach.
Seit den späten 60er Jahren hatten die Mädels und Jungs dieser Gemeinschaft abwechselnd die Fastnacht ausgerichtet und den Prinzen, später auch
Prinzenpaare gestellt. Eine vollständige Liste findet der geneigte Leser unter der Rubrik „Gruppen“.
Das Ganze stieg in Eberts großem Saal, wo man bis in die Zeit der Narrenzunft hinein, mit wechselnden Pächtern und der Brauerei kämpfend, die Kampagnen
feierte. Veranstaltet wurden damals verschiedene Bälle, früher hieß das schlicht „Musik“, mit den Tanzkapellen dieser Jahre.
Hierzu gehörten eine so genannte „Eröffnung“, ein Sportlermaskenball, ein Sängermaskenball und je nach Dauer der Session auch noch mal zwischendurch eine
„Musik“. An den tollen Tagen war eine Tanzveranstaltung am Samstag sowie einen Lumpenball am Rosenmontag angesagt. Damals waren Besucherzahlen von
bis zu 1000 im Saal an der Tagesordnung – heute fast unvorstellbar, woher und von wie weit die Besucher/Gäste damals anreisten, um diese Veranstaltungen zu
erleben. Die Fastnacht wie auch der Saal als Tanzlokal waren bekannt bis weit nach Unterfranken, in den Main-Kinzig-Kreis, in den Vogelsberg, in die Rhön und
natürlich im gesamten Fuldaer Land. Zu den Maskenbällen wurden mitunter 50 Maskierte und mehr gezählt, die dann des Nachts in einem kleinen Ritual
„entmaskiert“ wurden. Das war natürlich keine große Sache: Die Maske suchte sich ein Opfer, stellte sich in die Reihe, man stieg zusammen auf einen Tisch in
der Mitte der Tanzfläche und das „Opfer“ entmaskierte die „Maske“. Man trank ein Schnäpschen zusammen und hat anschließend weitergetanzt.
Natürlich veranstaltete die Gemeinschaft auch einen Rosenmontagsumzug, der über die Jahre zu einer richtig großen Veranstaltung mutierte und Narren aus
der ganzen Umgebung anzog. Ja, früher war es Usus, dass die Narren aus Uttrichshausen, Oberkalbach, Veitsteinbach und aus den kleineren Weilern der
Gemeinde zu uns nach „Kalwich“ zum Umzug kamen.
Dieser Zug hatte nicht selten bis zu 40 Gruppen und Wagen, was zu damaliger Zeit doch recht beachtlich war.
(Darüber hinaus gab es noch mehrere kleinere Veranstaltungen, die aber meist vereinsinterner oder gar privater Natur waren und deshalb hier nicht weiter von
Belang sind.)
Was war in den Jahren passiert? Alles hätte so schön sein können!
Nun ja, jeder Landwirt weiß, dass er die Kuh außer melken auch ab und an füttern muss.
Unsere Vereinsgemeinschaft hat mit der Fastnacht über einige Jahre gutes Geld verdient, mit fast null Aufwand – von einigen Anschaffungen für Kostüme,
Kappen und dem Saalschmuck mal abgesehen hatte man außer den Kosten für die Kapellen, die Orden und die Getränke keine, die heutzutage
diskussionswürdig wären.
Leider hat man in den fetten Jahren versäumt, etwas zu investieren, die Foaset weiterzuentwickeln, wie das in Dörfern mit reinen Karnevalvereinen passiert ist.
Es gab außer einer Garde, die dann später auch Tänze aufgeführt hat und dem Prinz/Prinzenpaar eigentlich nur einen Elferrat, der sich nur selten an der
Gestaltung des Abendprogramms beteiligte. Und so kam es wie es kommen musste, die Veranstaltungen verliefen immer gleich, es passierte nix Neues und es
wurde langweilig, weil außer den Tanzveranstaltungen nicht viel geboten wurde; keine Fremdensitzung (die machten einige Jahre die Mitglieder der Kalbachtaler)
oder Garderevue wie heutzutage. Die Besucherzahlen zu den Veranstaltungen gingen zurück, dabei stiegen die Kosten (Kapellen, Zeitungswerbung....) und der
Gewinn, den man mit den Kampagnen erwirtschaftete schwand dahin. Das führte auch dazu, dass die Vereinsvorstände natürlich immer weniger Lust hatten,
sich außerhalb des „normalen“ Vereinsbetriebs noch mit der Foaset zu beschäftigen. Warum auch? Die Fastnacht war für SV und Concordia nie Selbstzweck,
sondern ein nettes Zubrot, später sogar ein notwendiges Übel, eine alte Tradition, die nichts einbrachte außer zusätzlicher Arbeit und Kosten.
Nach ein oder zwei „Draufleg'-Kampagnen“ war man ganz froh, dass sich die Karnevalisten der beiden Vereine laut über eine Vereinsgründung unterhielten und
signalisierte künftig keine Fastnacht mehr ausrichten zu wollen; die 1990er sollte die letzte sein. Wer genau nun was gesagt oder entschieden hat, ließ sich nicht
mehr genau recherchieren, im Ergebnis ist das auch nicht mehr wichtig.
Fakt ist jedenfalls, dass gerade diese Kampagne Anfang 1990 ein wirtschaftliches Desaster war, womit wir dem Startpunkt der Narrenzunft schon ganz nahe
wären.