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01.08.2010
Chronik NzM 1990-91 © Carlo Bosold (alias „der Captain“)
Wer genau nun eigentlich den Anstoß gab, einen eigenen Verein zu gründen, lässt sich nicht mehr mit Sicherheit sagen. Allerdings ist ein maßgeblicher Anteil
daran mit Sicherheit dem ersten gewählten Vorsitzenden zuzurechnen.
Zu einer ersten Versammlung trafen sich am 09.03.1990 im Bergfriede insgesamt 28 Personen, die sämtlich der Meinung waren, eine solche Tradition sollte leben
und nicht sterben. Anwesend waren Leute aus allen Vereinen, vor allem jedoch aus SV und Concordia, natürlich die, die auch schon früher die größten
Karnevalisten waren.
Beschlossen wurde an diesem Abend nach zäher Debatte, dass ein Gründungskomitee gebildet und ein Verein gegründet werden sollte. Mitglieder dieses
Komitees waren Petra Röhrig, Bernhard Schmidt, Frank Diel, Jürgen Staubach, Michael Blum, Harald Wellpott sowie Carlo Bosold. Dieses Komitee erarbeitet in
den folgenden Wochen eine Satzung (die natürlich auf dem neuesten Stand sein sollte) und gab dem Kind seinen Namen, was auch eine sehr schwere Geburt
war, denn der Name sollte schon besonders sein und ein wenig aus der "Gemeinde" der C/Karneval-K/Clubs, C/Karnevalvereine und Geselligkeitsvereine
herausstechen.
Am 27.04.1990 war es dann schließlich soweit, die Narrenzunft Mittelkalbach 1990 wurde gegründet. Gründungsmitglieder waren: Dorothea Wellpott, Jürgen
Staubach, Hugo Gärtner, Joachim Adolf, Jürgen Müller, Frank Diel, Roswitha Schmidt, Bernhard Schmidt sowie Nicole Thuns und Petra Röhrig, die dem Vorstand
als Schriftführerin bzw. 2. Kassiererin angehörten. Der Geschäftsführende Vorstand bestand aus Bruno Hohmann (Kassierer), Harald Wellpott (2. Vorsitzender)
sowie Carlo Bosold als 1. Vorsitzenden.
Eingetragen und damit zum e.V. wurde die Narrenzunft schließlich am 07.05.1991.
Das erste Jahr
Da waren sie nun, die Narren mit ihrem neu gegründeten Verein und hatten drei Probleme:
Kein Geld, keine Ahnung und nicht ausreichend Mitglieder!
Was macht also ein junger Verein, um an Geld zu kommen? Richtig - ein Fest!
Die Gelegenheit war günstig und da bereits gute Beziehungen zum SV Mittelkalbach bestanden, wurde das Festzelt des gerade laufenden Sportfests und die
Einrichtungen des Sporthauses genutzt und am 23./24.06.1990 ein nettes Gründungsfest veranstaltet.
Die Helfer der ersten Stunde holte man sich aus den Reihen, die ohnehin schon das Meiste der örtlichen Vereinsarbeit leisteten, allesamt alte Hasen aus
Concordia, Feuerwehr, SVM usw...
Nach zwei Tagen und den üblichen Aufräumaktionen war der Spaß vorbei, der neue Vorstand am Ende seiner Nerven (zu viel musste improvisiert werden) und
gottlob ein wenig Startkapital in der Kasse. Nun ja, der neue Vorstand musste erkennen, dass auch der mit dem Fest erwirtschaftete Geldbetrag keinesfalls
ausreichte, einen Karnevalverein anzuschieben und so erbat man sich von der Vereinsgemeinschaft die alten Gardekostüme, von der Kindergarde deren Fundus
und die Elferratsmützen der Concordia. Neue Elferatsjacken sollten durch die Elferräte selbst angeschafft werden, was jedoch erst im 1991 Wirklichkeit wurde.
Eine weitere gute Einnahmequelle (wie sich über 10 Jahre zeigte) sollte der erstmalig in Mittelkalbach veranstaltete Weihnachtsbaumverkauf werden, der am
15.12.1990 stattfand. Die Bäume wurden mit Unterstützung der Forstverwaltung selbst geschlagen und anschließend von „speziell geschulten“ Verkäufern an den
Mann bzw. die Frau gebracht. Dazu gab es natürlich Bratwürstchen und Glühwein – wiederum alles recht improvisiert, aber mit Charme!
Diese Aktion spülte ebenso wie eine Altpapiersammlung, die uns der SV netterweise überließ, etwas Geld in die Kasse. Die Kampagne konnte also kommen.
Termine für einen Maskenball, den Rosenmontag und klugerweise auch für den alljährlichen Faschings- Gig der Coverband „Change“, die damals landauf und -ab
die Säle bzw. Festzelte füllte und den Veranstaltern damals noch satte Gewinne einbrachte, waren gemacht. Der neue Pächter der Gaststätte Ebert, Hartwig
Römhild, war zu dieser Zeit noch neu in Kalbach und infolgedessen nicht in der Lage gewesen, selbst Veranstaltungen zu planen. Auswärtige Einladungen hatte
man, dank der Kontakte der „Sergeant Peppers“ bekommen. Vielen Dank an dieser Stelle Herrn Claus-Dieter Wiegand für seine Hilfe und Theo Lomp von den
Kämmerzeller Maddebiddeln für seine vielen guten Ratschläge.
Die Kampagne kam, mit Carmen Frohnapfel und Edgar Klüber war ein Prinzenpaar gefunden worden und man war guter Dinge. Doch bereits im ersten Jahr des
Bestehens hatte die Narrenzunft eine schwere Prüfung zu bestehen, denn der Golfkrieg legte seinen Schatten auf die Karnevalssession und die Medien stilisierten
den Verzicht auf Spaß in Kriegszeiten zur ersten Bürgerpflicht hoch. Nur wenige Vereine hielten dem Druck der Zeitungen stand und ihre Veranstaltungskalender
aufrecht. Leider hat unser Verein nach dem finanziellen Misserfolg der Auftaktveranstaltung 1991, die restlichen Termine aus Sicherheitsgründen absagen
müssen. Bei einer weiteren Nullnummer dieser Art wäre dies das Aus für die NzM gewesen.
Besonders traurig war dieser Umstand für das Kinderprinzenpaar, Katrin Montry und Andre Thuns, die mit viel Eifer bei der Sache und natürlich entsprechend
enttäuscht waren.
Lediglich die bereits zugesagten auswärtigen Termine – wer kann sich als neuer Verein schon Absagen erlauben? – wurden wahrgenommen. Dies schon deshalb,
um den Narrenzünftlern, die sich allesamt auf die Kampagne gefreut hatten, den Spaß nicht zu verderben.
Die angeheuerten Bands lösten fast alle unter Hinweis auf die „höhere Gewalt“ die Verträge, lediglich die Profis von „Change“ wollten das nicht. So musste man
wohl oder übel, die Veranstaltung am Fastnachtssonntag durchziehen. Dies war, wie sich im Nachhinein zeigte, Glück im Unglück, weil hier so viele Leute kamen,
wie schon lange nicht mehr. Die vorwiegend jüngeren Besucher konzentrierten sich wohl hier, weil in der gesamten Umgebung die Veranstaltungen ausgefallen
waren. Der Gewinn aus dieser Veranstaltung entschädigte für Manches und ermöglichte die dringend erforderlichen Anschaffungen im Folgejahr.
Auch wurde im Jahr 1991 erstmalig das legendäre Weinfest veranstaltet – auch dieses recht improvisiert (darin sind wir echte Profis), aber gleichwohl erfolgreich.
Das Fest und der wiederum veranstaltete Weihnachtsbaumverkauf päppelten unsere Kasse weiter auf.